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Herzlich Willkommen zu unserem Webtagebuch oder auch „ Dia duit“ wie man hier auf Irisch sagen würde!

von: Stephan Altmann, Ulrich Hartmann

Wir freuen uns, Euch liebe Irland-Interessierte und vielleicht zukünftige Austauschschüler, hier von unseren Erlebnissen berichten zu können und vielleicht auch zu begeistern. Mit ein wenig Verspätung aber dennoch mit vielen neuen Nachrichten möchten wir hiermit das Webtagebuch einweihen. Wie es sich gehört tun wir dies in einem originalen Irish Pub bei einem kühlen Pint Guinness. Beginnen wir von Anfang an.

1. Wochenende: 

Pünktlich um 16:20 Uhr am 26. September 2009 hob die Maschine der Fluglinie Aer Lingus vom Flughafen Schönefeld Richtung Dublin ab. Voller Erwartung und gespannt auf die Dinge die noch kommen werden, ließen wir Deutschland hinter uns und genossen den 2-stündigen unspektakulären Flug. Angekommen am Dubliner Flughafen begaben wir uns anschließend problemlos mit den öffentlichen Verkehrsmitteln Richtung Pension (an dieser Stelle einen schönen Gruß an die Berliner Verkehrsbetriebe). Dort angekommen wies uns die resolute aber sehr freundliche Pensionsbesitzerin Ann unser Zimmer zu, in dem wir uns schnell heimisch fühlten. 

Der erste Morgen begann... wie soll es anders sein... mit dem Frühstück! Dieses ist allerdings alles andere als gewöhnlich! Während wir aus heimischen Gefilden die Sonntagsbrötchen gewöhnt sind, wurde uns das Original Engli... Verzeihung Irische Frühstück serviert! Bei dem Anblick von heißen Würstchen, Bohnen, Speck, Tomaten und 2 Eiern, sowie Black und White Pudding ( eine Art gebratene Blut- und Leberwurst) ahnten wir, dass diese Mahlzeit eine mehr als gute Grundlage bilden würde, um für den irischen Alltag gewappnet zu sein. Danach begaben wir uns auf eine erste Erkundungstour Richtung Innenstadt, um von Land und Leuten einen ersten Eindruck zu gewinnen (an späterer Stelle und im Laufe des Webtagebuches mehr dazu)! Zu diesem Zwecke bedienten wir uns des öffentlichen Nahverkehrs bzw. der Busse! An dieser Stelle sei allen Nachzüglern und Irland-Interessierten allerdings gesagt, dass es sich bei dem Fahrplan um grobe Schätzwerte handelt und jede Fahrt ein gewisses Abenteuer in sich birgt! Bringt also auf jeden Fall eine Menge Humor und Geduld mit und ihr werdet die Fahrt in den großen doppelstöckigen Bussen genießen! So also verbrachten wir unseren ersten freien Tag in Irland bzw. Dublin (wenn man vom Tag der Anreise absieht). 

1. Woche: 

Montag ging es dann für uns direkt zum „Dublin Institute of Technology (DIT)“. Dort trafen wir auf Patrick McHale, unseren Koordinator und Ansprechpartner oder kurz "Uncle Paddy", ein Mann der nicht nur durch Humor, sondern auch durch Gelassenheit und Gemütsruhe zu brillieren scheint; der uns nach einer schnellen Begrüßung kurzerhand unsere Stundenpläne aushändigte, direkt in die Vorlesung schickte und uns so mehr oder weniger "ins kalte Wasser" warf! Hier zeigten sich doch recht schnell die Unterschiede, aber auch Gemeinsamkeiten zwischen unserer Ausbildung und dem dortigen Studiengang. Aber auch dazu nächste Woche mehr…

Hier einmal der grobe Wochenplan, der uns die komplette Zeit über begleiten wird, sodass ihr in etwa wisst was wir so an Veranstaltungen haben und wie lange auch so ein Tag am DIT geht: 

Montag

09 - 10 Uhr Hämatologie-Vorlesung
10 - 13 Uhr Hämatologie-Labor         
13 - 14 Uhr frei
14 - 15 Uhr Physiologie-Vorlesung
15 - 18 Uhr Biochemie-Labor

Dienstag 

09 - 10 Uhr Physiologie-Vorlesung
10 - 12 Uhr frei
12 - 14 Uhr Professional Skills-Vorlesung
14 - 15 Uhr Frei
15 - 16 Uhr Zellbiologie-Vorlesung
16 - 17 Uhr Med. Mikrobiologie-Vorlesung
17.30 - 19.30 Uhr Professional Skills-Vorlesung 

Mittwoch 

09 - 10 Uhr Biochemie-Vorlesung
10 - 14 Uhr Frei
14 - 15 Uhr Biochemie-Vorlesung
15 - 16 Uhr Med. Mikrobiologie-Vorlesung
16 - 16.30 Uhr Med. Mikrobiologie-Labor 

Donnerstag 

13.30 - 16.30 Uhr Physiologie-Labor
17 - 19.30 Uhr Med. Mikrobiologie-Labor 

Freitag 

09 - 10 Uhr Zellbiologie-Vorlesung
10-13 Uhr Zellbiologie-Labor
13 - 14 Uhr Frei
14 - 15 Uhr Hämatologie-Vorlesung 

So viel sei  aber schon gesagt, gerade in Bezug auf nachkommende Dublinreisende, das Campus Leben macht sehr viel Spaß! Die darauffolgenden Tage waren auch danach überwiegend durch Vorlesungen und praktische Laborübungen, die sich in der Fächerwahl kaum von unseren unterscheiden (Biochemie, Hämatologie, Mibi etc.), geprägt.

So sah in etwa unsere erste Woche aus. Ab morgen sind wir Vollzeit-Touristen und werden durch Stadt, Land und Museen wandern (an dieser Stelle nochmals Danke an Anett und Diana für die zahlreichen Prospekte und Karten!) und euch natürlich recht bald und brühwarm davon berichten. Das soll es erst mal gewesen sein, da wir euch nicht direkt am Anfang mit einem Riesentext erschlagen wollen! Wir hoffen, euch Lust auf mehr gemacht zu haben und dass ihr unsere kommenden Beiträge weiterhin verfolgt! Fragen oder Anregungen per Studi und Email werden freudig entgegengenommen und auch die zahlreichen Wünsche für Postkarten werden wir natürlich versuchen zu berücksichtigen!

Grüße nach Plauen und bis bald!

 

2. Wochenende:

 

Mit der Zustimmung zum Lissabonner Vertrag kehrte auch langsam wieder Ruhe in der Dubliner Innenstadt ein, die vorher mit grellen Plakaten sowie Protestgruppen beider Lager (Befürworter und Gegner) bevölkert war. Der Tag der Entscheidung (laut „ The Irish Times“ D-Day) verbrachten wir allerdings außerhalb Dublins und besuchten ein kleines Fischerdorf an der Ostküste namens „Howth“. Schon auf der halbstündigen Busfahrt dorthin beeindruckte die „ grüne Insel“ mit einem rauhen, jedoch romantischen Charme, der sich dann auch bestätigen sollte. Vor den kleinen am Hang zusammengedrängten Häusern erstreckte sich der Hafen. Hier lagen neben unzähligen Segelbooten auch größere Fischkutter vor Anker, um vor dem Auslaufen noch ihre Netze zu flicken. Dies vermittelte uns einen Eindruck, welche entscheidende Rolle der Fischfang für Irland einmal gespielt haben muss. Das ehemalige Fischerdorf jedoch scheint sich im Laufe der Zeit eher zu einem Zentrum für Touristen und Wohnsitz für wohlhabendere Iren entwickelt zu haben, die alle gleichermaßen die gute Luft und Aussicht genießen wollen. So waren auf den Straßen neben kleineren Geschäften und Cafés auch viele Luxusautos zu sehen. Besonders beeindruckt zeigten wir uns jedoch von einer kleinen halb verfallenen Kirche aus dem 12. Jahrhundert im Zentrum eines winzigen Friedhofes mitten in dem Ort, die ihm eine gewisse althergebrachte Würde verleiht. Allen Klischees über das schlechte Wetter in Irland zum Trotz spazierten wir bei dem sich seit einer Woche anhaltendem guten Wetter durch Howth und bewunderten die gepflegten Vorgärten sowie den Blick entlang der  Küste auf die rauhen Klippenformationen.

 

Den nächsten Tag verbrachten wir überwiegend in der Innenstadt von Dublin, um Sehenswürdigkeiten wie das Museum für Geschichte und Archäologie als auch die Nationalgalerie Irlands zu besichtigen. Anschließend schauten wir am Geburtshaus von Oscar Wilde vorbei und schlenderten über die Einkaufsmeile zurück Richtung Pension. Im Gegensatz zu unseren beiden Vorgängerinnen (auch an dieser Stelle einen schönen Gruß an die Beiden sowie einen guten Start ins Berufs- bzw. Studienleben) widerstanden wir aber den Shopping- Versuchungen und machten noch das ein oder andere Foto von interessanten Häusern und Denkmälern. Grüße nach Plauen und bis bald!

 

2. Woche:

 

Nach dem anhaltend guten Wetter und fast durchgehenden Sonnenschein öffnet nun der Dubliner Himmel seine Schleusen und flutet die Innenstadt. Zeit genug also über die vergangene Schulwoche zu resümieren und seine Gedanken aufzuschreiben. Da die Fächer weitestgehend identisch mit unseren sind, drängt sich einem gerade zu ein direkter Vergleich mit unserer Ausbildung in Deutschland auf. Auffällig sind hier der geradezu inflationäre Gebrauch von Labormaterialien und die nicht nur durch Größe, sondern auch Ausstattung protzenden Räume. Küvetten und Reagenzgläser wandern nach der  Benutzung direkt in den Müll und es wird erst gar kein Gedanke an Tätigkeiten wie Spülen oder  Wiederverwendbarkeit vieler Dinge verschwendet! Bevor aber einer der Leser an dieser Stelle einen Vergleich zu Plauen ziehen will, den möchte ich darauf hinweisen, dass man hier  horrende Semestergebühren von bis zu teilweise 2000€ zahlen muss und sich das DIT zudem auch noch in staatlicher Trägerschaft befindet! Aus diesem Grunde dürfte der großzügige Gebrauch der Labormaterialien für die Studenten nur einen schwachen Trost darstellen. Aber wie man hier so schön feststellen kann, hinkt der Vergleich wenn man unsere Ausbildung deren Studiengang gegenüberstellen möchte. Nichts desto Trotz genießen wir natürlich die Annehmlichkeiten die mit diesem Umstand einhergehen. Aber dies sei nur eine kleine Anekdote von den vielen Sachen die uns während unserer Zeit im Moment in Erstaunen oder teilweise Belustigung  versetzen. Am besten ist es wenn man zuallererst das DIT an sich beschreibt.<br /><br />

Wie ihr ja mit Sicherheit schon im Stundenplan gesehen habt, muss man sich hier ein bisschen umgewöhnen was die Zeiten angeht. Es fängt zwar alles später an, kann dafür aber auch umso länger gehen. Überhaupt nimmt man es mit der Zeit in Irland nicht ganz so genau, denn hier kommt ein Großteil zu den Vorlesungen morgens bis zu einer halben Stunde später, sodass schon mal nachgefragt wird, ob man früh für die Nächste oder spät für diese Vorlesung sei.  Manchmal hat man sogar mehrere Stunden zwischen zwei Veranstaltungen frei, die entweder in der Snackery, Bibliothek oder sonst wie verbracht werden können. Hm, die Snackery … eher eine Spielhalle als eine Caféteria, da man hier die Wahl hat zwischen Fernsehen, Billard, Airhockey oder einem der vielen Spielautomaten. Kein Witz! Aber bei der Gelegenheit sollte ebenso erwähnt werden, dass das DIT eine eigene Schwimmhalle, eigene Sporthalle sowie einen eigenen Fitness- Raum besitzt. Von daher dürfte keine Langeweile aufkommen. Für den großen Hunger empfiehlt es sich, die unter der Snackery gelegene Kantine aufzusuchen, da es hier warme Vollmahlzeiten gibt. Allerdings geht es dort ziemlich laut zu ( wie eigentlich überall in Irland!) , wer also lieber Ruhe sucht, sollte sich in die Bibliothek zurückziehen, der wohl einzig stille Ort am DIT. Wer nicht gerne in Büchern schmökern will oder keine Lust hat, die Bibliothek zu besuchen, der kann sich ganz einfach überall im DIT mit seinem eigenen Laptop oder an einem der vielen festen Stand- PCs ins hochschuleigene WLAN- Netz einloggen und Surfen oder Recherchen betreiben, vorausgesetzt er ist registrierter Student. Was die Räumlichkeiten angeht, so findet man sich doch recht schnell zurecht, wenn man nur weiß, dass der imposante Gebäudekomplex aus einem Labor- und Vorlesungstrakt sowie dem Verwaltungsgebäude besteht, die durch den Hof sowie einen Gang im dritten Stock miteinander verbunden sind. So ist uns zwischen den Veranstaltungen auf unseren „ Wanderungen“  durch die Hochschule aufgefallen, dass es sogar einen eigenen Shop gibt, wo man neben Getränken und kleinen Snacks auch DIT- Schulmaterialien wie Schreibutensilien, Laborkittel und anderes bekommen kann. Wie ihr seht, gibt es hier viele Möglichkeiten, sein Geld zu investieren. Nun, soweit erst mal was zum allgemeinen Hochschulalltag. Nächste Woche werden wir euch dann etwas von den Laborübungen berichten, ihr dürft also gespannt sein!

Einigen aufmerksamen Lesern wird ein gewisser Stilbruch innerhalb des Berichtes nicht entgangen sein. Da dieses Webtagebuch aber durch 2 Autoren entsteht, ist dieser unumgänglich. Wir bitten um Nachsicht und Verständnis. Da der Literatur- Nobelpreis dieses Jahr eh nach Deutschland ging, haben wir uns diese Freiheit einfach mal genommen! ;-)

Viele Grüße nach Plauen und bis bald!

 

3. Wochenende:

 

Nachdem wir letzte Woche traurigerweise feststellen mussten, dass das Naturkundemuseum im Moment auf Grund von Renovierungsarbeiten geschlossen hat, haben wir uns heute trotzdem auf den Weg gemacht, um wenigstens einen kleinen Teil der Ausstellung im Museum für Dekorative Kunst und Geschichte zu bewundern, wo derzeit Naturbegeisterte hin verwiesen werden. Unser Weg dorthin führte unter anderem durch den Phoenix Park, eine schöne große Anlage mit grünen Wiesen soweit das Auge reicht. Hier findet man auch das „ Wellington Monument“ , ein riesiger Steinobelisk, der an den Sieg über Napoleon bei Waterloo erinnern soll. Ein wenig später fanden wir dann auch das Museum auf dem Gelände der „ Collins Barracks“ , dessen großer Innenhof  früher Mal ein militärischer Exerzierplatz war. In der Auslagerung sind neben dem Skelett eines Riesenhirsches alle möglichen Tiere der letzten prähistorischen Epochen ausgestellt, die Irland nur irgendwie bevölkert haben. Besonders beeindruckt zeigten wir uns von größeren Exemplaren wie etwa einem Wolf oder einem riesigen Adler mit ausgestreckten Flügeln. Die Palette reichte dabei von kleineren Säugern wie Dachsen, Hasen und Mäusen bis hin zu Insekten. Doch dass  dies aber lediglich ein ganz geringer Teil der eigentlichen Ausstellung war, merkte man schnell an der Anordnung der Exponate. So fanden sich gelegentlich Tiere der Neuzeit mit versteinerten Fossilien in einer Vitrine wieder. Auf einem Plakat inmitten des Raumes sahen wir dann, wie groß das eigentliche Naturkundemuseum ist und konnten nur annähernd erahnen, was für Schätze man dort alles vorfinden würde. Nach dem doch recht gruseligen Aufenthalt inmitten der ganzen ausgestopften Tiere war es für uns eine willkommene Abwechslung die Artenvielfalt an lebenden Exemplaren des Dubliner Zoos zu bewundern, da dieser glücklicherweise direkt in der Nähe war. Der zweitälteste Zoo Europas ist rund um einen, vermutlich künstlich angelegten, ringförmigen See aufgebaut und lädt besonders Familien dazu ein, auf einem Rundgang Tiger & Co. zu entdecken. Besonders sehenswert ist die Fütterung der Robben, die einmal am Tag als eine 15- minütige Show mit imposanten Sprüngen und witzigen Einlagen konzipiert ist. Doch mindestens genauso viel Beachtung haben auch die anderen tierischen Bewohner verdient, denn ob Zebras und Giraffen im Savannenland oder eine Horde ausgelassen herumtollender Äffchen, ein Besuch des Dubliner Zoos lohnt sich allemal und so fällt mir zum heutigen Ausflug nur eines ein... einfach tierisch!

 

Nach dem Besuch im Zoo trennten sich unsere beiden Wege. Stephan zog es in das Pub während ich, der mit viel Glück in der Woche eine Karte für das Länderspiel zur WM- Qualifikation Irland gegen Italien ergattern konnte, mich in Richtung Stadion begab. Große Ereignisse werfen bekanntlich ihre Schatten voraus,  so dass viele Plakate in der Dubliner Innenstadt die Bevölkerung auf das kommende Match einstimmen sollten. Bester Stimmung schloss ich mich den elektrisierten grünen Massen an, die Richtung Croke Park unterwegs waren. Dort angekommen genoss ich 90 Minuten lang die Stimmung innerhalb des Stadions, die sich nur mit einem einzigen Wort beschreiben lässt: „frenetisch“. Das Spiel endete unentschieden, da die „Squadra Azzurra“  (wie man es von ihnen gewohnt ist) in den letzten Minuten gegen die starke Mannschaft des „Maestro“ wie Trapattoni (der italienische Trainer der Iren!) in Fachkreisen genannt wird, den ersehnten Ausgleich zum 2:2  erzielen und somit das Ticket zur Weltmeisterschaft in Südafrika einlösen konnte. Keine Angst liebe Leserinnen ich werde euch nicht weiter mit einem ausführlichen Spielbericht langweilen, da dieser von der interessierten Fußballwelt schon längst geschrieben und gelesen wurde. Lustigerweise möchte ich jedoch anmerken, dass Stephan der dem Fußballtrubel entgehen wollte, innerhalb des Pubs in einer tobenden Menge von Fußballfans, die gebannt vor dem Bildschirm hingen, untergegangen ist  und somit keine Gelegenheit hatte König Fußball zu entkommen! :-)

 

Am darauffolgenden Tag wollten wir abermals das gute Wetter nutzen und besuchten im „Garden of Remembrance“, einem kleinen Park im Herzen von Dublin, ein Denkmal für die gefallenen irischen Freiheitskämpfer. Danach ging es für uns in das Wachsmuseum, wo wir neben internationalen Stars und Sternchen sowie einem Gruselkabinett auch irische Größen, die in Wachs verewigt wurden bewundern konnten. Doch abgesehen von ein paar Schriftstellern kannten wir ehrlicherweise kaum welche, zumal U2 oder Bono noch nicht einmal ausgestellt wurden. Nach ein paar Schnappschüssen von diversen Wachskameraden zog es uns aber Richtung Innenstadt, um bei einer großen amerikanischen Fastfood- Kette Stärkung zu suchen (die ich namentlich nicht erwähnen möchte). Ein paar Cheeseburger von McDonalds später (ich hoffe Frau Schaarschmidt liest das jetzt nicht!) beschlossen wir über den Campus des Trinity College zu schlendern, wo schon Berühmtheiten wie Samuel Beckett oder Chris de Burgh zur Uni gingen. Anschließend fuhren wir mit den blau- gelben Doppeldecker- Bussen zum Botanischen Garten, wo man neben der heimischen Flora auch tropische Pflanzen und Bäume bestaunen kann, die in imposanten Gewächshäusern angelegt worden sind. Nach diesem anstrengenden Tag voller Busfahrten und Tourismusattraktionen begaben wir uns wieder zurück zur Pension, um uns auf die darauffolgende Woche vorzubereiten und den Abend noch in Ruhe ausklingen zu lassen.

Viele Grüße nach Plauen und bis bald!

 

3. Woche:

 

Mittlerweile haben wir auch die dritte Schulwoche absolviert und sind nach wie vor jeden Tag aufs Neue von vielen Ereignissen beeindruckt. Immer wieder begegnen uns Gemeinsamkeiten aber auch Unterschiede zu unserer Kultur,  Ausbildung und zu unseren Gewohnheiten. Ereignisse die wir euch natürlich auch gerne näher bringen wollen. Allerdings ist ein Webtagebuch (auch wenn wir das ganze jetzt mit Fotos ein wenig bildlicher veranschaulicht haben und hoffen, dass es euch gefällt) dafür ein äußerst begrenztes Medium. Deshalb haben  wir uns beide hingesetzt und beratschlagt, wie wir euch einen noch besseren Einblick  in unsere Tätigkeiten und den Alltag hier vermitteln können. Aus diesem Grunde werden wir zusätzlich zu unserem Tagebuch noch detailliertere Berichte anfügen. Ich hoffe, dies führt nicht zu Verwirrungen. Nichts desto trotz… beginnen wir wieder erst einmal mit dem  Wochenanfang.

Nach dem bereits beschriebenen reichhaltigen Frühstück schnappen wir uns unsere Sachen und gehen (vorsichtshalber früher) zum Bus. Der erste Blick auf die Straße verheißt nichts Neues. Wie immer fließt der Verkehr äußerst zäh die Drumcondra Road entlang. Langsam schlendern wir Richtung Bushaltestelle nur hin und wieder einer Gruppe wild schnatternder Schulkinder ausweichend. An der Bushaltestelle stehend bleibt uns nichts anderes übrig, als den Minuten beim Verstreichen zuzusehen und den Autos, die schlangenweise im Schritttempo an uns vorüber rollen und zu hoffen, dass es der Bus bei diesem Verkehr schafft pünktlich zu sein. Nach dem Einsteigen in den Bus 16 bzw. 16a nehmen wir im oberen Teil neben den ungewöhnlich ruhigen Iren Platz. Die Meisten des sonst so fröhlichen und lauten Volkes tippen müde auf ihrem Handy herum und/ oder schauen gelangweilt aus dem Fenster, während sie sich aus Kopfhörern mit Musik beschallen lassen. Auch wir schauen aus dem Fenster und betrachten jedesmal aufs Neue gespannt die anschließende Drängelei des Busses, der versucht zentimeterweise seinen Platz zurück in die Auto- und Taxischlange zu finden. Das wir nicht Zeuge eines Unfalls wurden, alleine schon auf Grund der notorischen Missachtung der irischen Fußgänger von roten Ampeln, grenzt wahrscheinlich an ein Wunder! Im Gegensatz zu den Straßen ist die Dubliner Innenstadt zu dem Zeitpunkt vergleichsweise leer. Auf den Bürgersteigen sieht man lediglich die berufstätige Bevölkerung, die sich in grau- schwarzen Scharen, nur durch die bunten Schuluniformen der bereits oben erwähnten Schulkinder unterbrochen, Richtung Arbeit bewegen. Die sonst so zahlreichen Touristen schlafen zu diesem Zeitpunkt wohl noch den Schlaf der Gerechten. Aber wie jede Fahrt geht auch diese zu Ende und wir steigen am DIT aus. Nach einem kurzen Blick auf den Stundenplan suchen wir uns unseren Weg durch die großen Gebäude zu dem passenden Vorlesungssaal. Dort nehmen wir neben unseren Kommilitonen  Platz und lauschen gebannt den Ausführungen des jeweiligen Dozenten, der anhand von Powerpoint- Präsentation und eines Skripts seinen Studenten versucht die Feinheiten seines Faches näherzubringen. Darauffolgend geht es in die Laboratorien, wo erläuterte Thesen oder Praktiken in die Tat umgesetzt und von den Studenten erprobt werden können. Je nach Tag und Tageszeit wechseln sich so unsere Tätigkeiten ab, lediglich von der Mittagspause unterbrochen, die man nutzen kann um sich in der Kantine für den weiteren Verlauf zu stärken. Hm… auch wenn ich kein Freund davon bin an Kantinenessen bzw. Großküchenessen rumzumäkeln, so sei doch allen Irlandnachzüglern empfohlen mit nicht zu hohen Ansprüchen an die dortige Küche zu gehen. Ein robuster Magen und ordentlich Hunger können jedoch auch die letzten Zweifler zu regelmäßigen Besuchern werden lassen. Danach geht es wieder mit neuen Kräften ans Werk und auch die weiteren praktischen sowie theoretischen Stunden vergehen fast wie im Fluge (keine Angst, auf die Tätigkeiten kommen wir im Einzelnen nochmals ausführlicher zu sprechen!). Nach dem meist langen Uni-Tag geht es dann wieder mit dem Bus in Richtung Pension. Auch hier, manche Leser ahnen es vielleicht, legt der Feierabendverkehr wieder fast alles lahm, aber wenigstens sind die Iren zu diesem Zeitpunkt wach und der Bus mit lautem fröhlichen Leben erfüllt.

Damit ihr überhaupt wisst, was wir so derzeit in den Laboren machen, mit diesem Bericht beginnend mal ein kleiner Einblick in jedes Fach. Nur nochmal zur Info, Uli und ich (nun 3. Lehrjahr) sind hier im 2. Lehrjahr, das heißt dass wir das meiste selbst schon praktisch hatten. Allerdings haben wir auch einige Überraschungen erlebt, nicht nur in der Theorie. Interessant ist erst mal, dass hier die Praxis an der Hochschule eine etwas untergeordnete Rolle zu besitzen scheint, als es bei uns der Fall ist; da die Studenten sich ihre Erfahrungen erwartungsgemäß in einem längeren Krankenhauspraktikum holen sollen. So werden die meisten praktischen Übungen, unabhängig vom Fach, theoretisch durchgesprochen, einmal vom Fachlehrer vorgeführt und dann selber praktiziert. Ebenso wird sehr zügig gearbeitet, was dazu führt dass man entweder fertig wird oder nicht. Schön ist, dass man zu jeder Übung ein Skript mit Anleitung und Hintergrund bekommt, außerdem sind die Arbeitsplätze schon vollkommen vorbereitet, sodass man gleich zur Tat schreiten kann. Obwohl auf Laborhygiene und aseptisches Arbeiten (in der Mibi zum Beispiel) viel Wert gelegt wird, erscheint es komisch, dass ein Kittel für alle Bereich verwendet werden darf, zumal einige Leute damit in die Snackery oder in die Bibliothek gehen. Die Laborkleidung muss am DIT von den Studenten selbst gekauft und auch selbst zu Hause gewaschen werden, aber nur wenn die Sachen nicht kontaminiert sind. Doch mancher bunt verzierte Kittel wurde wahrscheinlich länger nicht mehr gewaschen und so machen sich einige Studenten daran, wahre „ Kunstwerke“ zu zaubern!

Wie ihr sicherlich in unserem Stundenplan schon entdeckt habt, nehmen wir an 5 unterschiedlichen Labs teil, von denen ich nun die ersten 3 kurz vorstellen möchte (Professional Skills nimmt eine Sonderstellung ein, deswegen erst mal ausgelassen… später aber genaueres):

In Hämatologie fangen die Studenten ebenso wie bei uns mit den Basics an, allerdings in einer etwas anderen Reihenfolge. So mussten wir zuerst, nachdem wir alle möglichen Referenzbereiche durchgesprochen haben, eine Leukozytenzählung durchführen und anschließend einen gefärbten Blutausstrich anfertigen. Erst danach kam die Messung des Hämoglobins und des Hämatokrits dran, dem sich die Berechnung der Hämoglobin- Indizes sowie die Erstellung einer Hämoglobin- Standardkurve anschloss. Nach diesen Einstiegsübungen haben wir dann später von verschiedenen Patienten Blutausstriche differenziert, zu denen man jeweils die Ergebnisse eines „ großen“ Blutbildes bekommt, um vergleichen zu können, wie gut man war. Schön ist hier, dass der Fachlehrer ein Vorführmikroskop hat, welches mit einem Monitor verbunden den Studenten interessante Bereiche oder auch Zellen zeigen kann.

Biochemie ist hier mit Klinischer Chemie gleichzusetzen, wobei nicht wie bei uns in 2 Fächer unterteilt wird. Im Allgemeinen läuft jede Laborübung gleich ab, zuerst erstellt man photometrisch eine Standardkurve bekannter Konzentrationen, um damit Patientenproben zu bestimmen und im zweiten Teil, der eher etwas Forschungscharakter hat, werden Proben unter den verschiedensten Bedingungen gemessen, um mögliche Einflussparameter zu bestimmen. So befassten wir uns in den ersten Stunden mit Glukose und deren Messung unter  verschiedenen Einflüssen wie Temperatur, Zeit und Oxidanzien. In den darauffolgenden Übungen haben wir uns mit der Messung der Enzymaktivität von Alkalischer Phosphatase beschäftigt, wobei es diesmal neben der optimalen Temperatur noch den optimalen pH- Wert rauszufinden galt. Doch der mit Sicherheit interessanteste Versuch bis jetzt folgte, nämlich die praktische Bestimmung von Vmax und der Michaelis- Menten- Konstante, sowie des Einflusses von Inhibitoren auf die Enzymaktivität. Da dieses Thema bei uns nur theoretisch behandelt wird, ist es sehr interessant, einen so komplexen Sachverhalt mal praktisch auszuarbeiten und auf diesem Wege zu beweisen.

Die praktische Mikrobiologie beginnt hier ebenfalls wie bei uns mit den Basistests, doch wesentlich schneller auf alle 4 Bakteriengruppen angewendet. Neben der anderen Ausführung uns bekannter Tests haben wir auch Neue kennengelernt, die zwar simpel, aber genial sind und somit helfen, an der ein oder anderen Stelle typische Zweifel aus dem Weg zu räumen. Uns beiden hat besonders gut gefallen, dass man als Student gleich zu Beginn des Semesters ein schön gebundenes Laborheft über die Isolation und Identifizierung aller 4 Bakteriengruppen bekommt. In diesem „ schlauen Büchlein“ steht so ziemlich alles drin, was man wissen muss, um fit in der Mibi zu sein. Im Grunde genommen lief der Unterricht immer gleich ab, jeder hatte einen unbekannten Keim, den es mit den Basistests und mehr zu identifizieren galt. Währenddessen wirbelte die ganze Zeit unsere hochmotivierte Fachlehrerin durchs Labor und versuchte mit ihrer witzigen und lockeren Art uns einzuhämmern, wie wichtig doch die Mibi sei. Erstaunlicherweise (oder auch mit Absicht, wer weiß das schon) erwischte sie meistens mit ihren Fragen Leute, die gerade gepennt haben und so gab es IMMER viel zu lachen für uns!

Nächste Woche folgen dann die anderen Labs…

 

4.Wochenende:

 

Am Freitag beschlossen wir mit Anbruch der Dunkelheit den Wochenend-Anfang im „Temple Bar“, Dublins Kneipenviertel, angemessen zu begehen. Also mischten wir uns kurzerhand mit unter die Menge, die sich nur schwerlich von Pub zu Pub durch die Gassen schob. Was sich vielleicht für manche Leute wie ein Alptraum für Menschen mit Platzangst anhört, stellte sich recht schnell als Party mit Gruppencharakter heraus. So konnte man häufig beobachten wie ausnahmslos alle Besucher innerhalb eines Pubs ausgelassen hüpfend und klatschend die spielenden Live- Bands, die irische Volkslieder zum Besten gaben, fröhlich mit ihrem Gesang  begleiteten. Allerdings sollte man hier nicht den Eindruck einer ausgearteten Schlager- oder Ballermann- Party gewinnen (ein Zustand, den man wohl auch den saftigen Preisen von 5 € pro Pint Bier (ca. 0,5l) verdankt), sondern eher einer fröhlichen Feier mit familiären Charakter. Wer ein wenig Pause von so viel Ausgelassenheit braucht, der kann sich in der Zwischenzeit von vielen Künstlern unterhalten lassen, die ihre musikalischen, pantomimischen oder sonstigen Talente anbieten. Besonders beeindruckt zeigten wir uns jedoch insbesondere von einem Straßenkünstler, der eine Fahrt auf einem präparierten Fahrrad anbot und demjenigen, der es schafft mehr als 10 Meter zu fahren zusätzlich eine Summe von 25€. Um seinem Angebot so etwas wie Seriosität zu verleihen, fuhr er auf besagtem Rad höchstpersönlich durch die beträchtliche Zahl von Schaulustigen, um sein Angebot lautstark zu unterbreiten. Wir widerstanden jedoch der Umwerbung und schauten uns lieber die einzelnen Fahrversuche diverser mutiger Teilnehmer an, dessen Fahrten meistens jedoch nach wenigen Metern (definitiv keine 10!) mit dem Gesicht zu erst Richtung Asphalt endeten, unter dem tosenden Applaus und Gelächter der Umstehenden versteht sich. Schadenfreude kennt halt keine (Landes-)Grenzen.

Nach der (Kneipen-)Kultur des Abends wollten wir das Wochenende in ähnlicher Tradition weiterführen. Also besuchten wir Irlands inoffizielles Zentrum der Macht, von dem alles auszugehen scheint. Nein… nicht das Haus der Präsidentin, sondern die Guinness- Brauerei. Ein Blick auf die irische Geschichte beweist, dass man nicht an der Familie Guinness vorbeikommen kann, da diese auch wesentlich von ihr mitgeprägt wurde. Dies wird u.a. in der Firmenführung ebenso deutlich belegt und betont. Das Hauptaugenmerk richtet sich aber natürlich auf das „schwarze Gold“ wie die Iren bescheiden ihr Lieblingsgetränk nennen. In mehreren Stationen erfuhren wir alle Einzelheiten über die Herstellung und Vermarktung des Bieres, um uns anschließend  in der „Gravity Bar“ bei einem 360- Grad- Blick über Dublin selbst ein Bild über die Qualität des angepriesenen Produktes zu machen. Die darauffolgende Tour zur Whiskey Distillery verschoben wir daraufhin jedoch spontan, da wir ansonsten für nahtlose Aufzeichnungen innerhalb des Webtagebuches nicht hätten garantieren können und zogen lieber Richtung Innenstadt, um dort nachträglich kulinarisch ein wenig mehr Grundlage zu schaffen.

Den Sonntag verbrachten wir  in der kleinen Ortschaft “ Enniskerry“ im Landesinneren, um einen Eindruck von Irland außerhalb Dublins zu bekommen. Also wanderten wir überwiegend durch die Natur der „grünen Insel“ und bestaunten die dichten Wälder, rauhen Gebirge und endlosen Weiden sowie die wunderschön angelegten Parkflächen. Begünstigt durch das atlantische Klima zeichnet sich Irland durch milde Winter und Herbste aus. Infolgedessen sinkt die Temperatur hier so gut wie nie in den Minusbereich, was sich in einer artenreichen Pflanzenwelt zeigt, die nicht nur aus den üblichen Europäischen Pflanzen und Bäumen besteht, sondern vielfach auch durch kakteenartige Pflanzen. Dies muss sich auch in atemberaubender Weise in vielen anderen Teilen Irlands wiederspiegeln, die wir leider nicht mehr aus Zeitgründen besuchen konnten, uns aber von vielen deutschen Touristen mehrfach geschildert wurden. Apropos Deutsche Touristen, bis jetzt verging, glaub ich, kaum ein Tag, wo wir nicht irgendwelchen Deutschen über den Weg gelaufen sind. Wie es aussieht haben wir dieses Land infiltriert! Irland ist bei weitem also kein Geheimtipp für Kälteflüchtlinge mehr.

Viele Grüße nach Plauen und bis bald!

 

4. Woche:

 

Mit Anbruch der letzten Woche stellt sich nun so langsam etwas Melancholie bei uns ein, denn wie schon bei den vorhergehenden Teilnehmern des  Auslandspraktikums setzt auch bei uns das Bedauern ein, Irland nach 4 absolvierten Wochen verlassen zu müssen. Zumal Meldungen über Kälte und stellenweise Schnee aus der Heimat durchgedrungen sind. Wie es aussieht haben wir uns an all die Annehmlichkeiten wohl zu sehr gewöhnt und das nicht nur, weil Ann (unsere Pensionswirtin) uns mütterlich umsorgt und neben den vielen guten Ratschlägen und Tipps morgens fürstlich bewirtet. Ernsthafte Konkurrenz für „ Hotel Mama“ also!:-) Auch am DIT haben wir ein gewisses Maß an Zugehörigkeitsgefühl entwickelt, was uns den Abschied nicht unbedingt erleichtern wird. Es gibt jedoch auch ein Sprichwort was besagt: „ Man soll immer dann gehen wenn es am Schönsten ist.“ Dieses Sprichwort befolgend blicken wir also auf 4 schöne Wochen zurück, mit der Gewissheit das Positivste aus diesem Auslandsaufenthalt mitgenommen zu haben. Nun befinden wir uns schon innerhalb der letzen Woche, überwiegend damit beschäftigt, letzte Besorgungen und Organisatorisches zu erledigen und noch einiges an Touristen-Attraktionen wahrzunehmen, von denen wir wohl leider aus Zeitgründen nicht mehr alle schaffen werden. All den Leuten, denen wir die ständige Sonne unter die Nase gerieben haben, welche wir uns auf unsrige haben scheinen lassen, können wir im Moment jedoch auch nur von Regen berichten. Aber dafür ist es hier wenigstens nicht kalt!:-) Doch genug der Frotzeleien, bald leisten wir euch ja wieder Gesellschaft, wenn wir dick verpackt und mit wasserfester Kleidung zu Hause rumlaufen. Bis dahin werden wir jedoch überwiegend damit beschäftigt sein, unser selbstauferlegtes Restprogramm zu absolvieren. Sollte uns dabei noch etwas Bemerkenswertes und/ oder Lustiges passieren, werden wir euch natürlich mit einem Nachtrag beglücken.

 

In der letzten Woche hab ich von 3 Fächern berichtet, die eigentlich nichts Neues für euch sein sollten. Doch diesmal wird es noch ein bisschen interessanter…

Untersuchungen, die physiologische Körperfunktionen überprüfen sind ja eher das Gebiet der Medizinisch- technischen Assistenten für Funktionsdiagnostik, aber hier haben auch die Biomedical Scientist- Studenten praktische Übungen in Physiologie, um zumindest einen kleinen Einblick in dieses Gebiet zu bekommen. Genauer gesagt machen sie ein Projekt über mehrere Wochen, an dessen Ende eine umfangreiche Projektarbeit abgegeben werden muss, die natürlich auch bewertet wird. So haben wir uns in der ersten Woche mit der Blutdruckmessung beschäftigt. Ziel war es, herauszufinden, wie sich der Blutdruck bei einer Versuchsperson vor und nach einer sportlichen Übung verhält. Uli war es schließlich, der sich dieser Aufgabe todesmutig stellte und auch tatkräftig von mir unterstützt wurde. So haben wir zuerst 3 Ruhemessungen vorgenommen, dann musste er für 10 Minuten auf einem Fitnessrad strampeln, wo sich wieder 3 Blutdruckmessungen anschlossen. Danach sollte er sich ausruhen, damit wir abermals 3 Messungen in der Erholungsphase vornehmen konnten. Letzten Endes zeigten sich uns in der Auswertung dann auch die Ergebnisse, die zu erwarten waren. Ein anderes Mal ging es um die Gaszusammensetzung beim Ausatmen, also der Gehalt an Sauerstoff und Kohlenstoffdioxid vor und nach einer sportlichen Betätigung. Das Experiment bestand darin, 2 Minuten lang die Atemluft mittels einer Atemmaske in einem Plastiksack aufzufangen, ihr Volumen zu messen sowie die Gaszusammensetzung zu bestimmen. Natürlich das Ganze wieder je 3x in Ruhe, während des Radeln und in der Erholungsphase. Dieses Mal wollte ich mein Können unter Beweis stellen, allerdings brauchte ich dann doch nicht, weil die Zeit nicht mehr ausgereicht hätte. Mit Hilfe von Zusatzparametern wie Atemfrequenz und Puls konnten wir schließlich einige Lungenfunktionswerte bestimmen. Häufig sind dabei auch viele lustige Sachen bei rausgekommen, denn die ein oder andere Messung ging schon mal schief.

 

Eines der spannendsten Labs ist ganz klar das in Zellbiologie, denn hier taucht man, anfangs noch mit einfachen Mitteln, in die Molekularbiologie ein. Da die Übungen aufeinander aufbauend sind, erhält das Ganze noch Forschungscharakter und wird von Mal zu Mal spannender. Im ersten Abschnitt bekamen wir einen bestimmten E. coli- Stamm vorgesetzt, auf den wir nun ein Plasmid übertragen sollten, das ihm die Eigenschaft, bei Anregung durch UV- Licht zu fluoreszieren geben sollte. Über das sichtbare Ergebnis konnte man sich auch echt freuen, denn so war sichergestellt, dass der Versuch geklappt hat. Im zweiten Schritt sollten wir herausfinden, von welchen Faktoren die Ausbildung dieser Fluoreszenz abhängig ist und konnten mit Hilfe von speziell präparierten Nährböden nachweisen, dass ein Zusammenhang zwischen dieser Eigenschaft und bestimmten Substanzen tatsächlich besteht. Anschließend sollte mittels einer SDS- PAGE (eine spezielle Gelelektrophorese) überprüft werden, ob der Keim mit zunehmender Zeit mehr Fluoreszenz ausbildet, wofür wir dann Proben mit unterschiedlichen Inkubationszeiten vorbereiteten. Leider konnten wir beide selber keine Elektrophorese mehr durchführen, da die Auswertung nach unserem Praktikum gewesen wäre. Doch das hielt uns nicht im Geringsten davon ab, den Anderen bei der Durchführung zuzuschauen und ihnen noch hier oder da ein bisschen zur Hand zu gehen. Glücklicherweise konnte uns der Fachlehrer ein paar schon fertige Gele zeigen, an denen wir gut die Zunahme der Fluoreszenz sahen. Für die anderen Studenten geht es demnächst also mit der Auswertung ihrer Gele weiter und wird hoffentlich auch nach wie vor so spannend bleiben.

Als wir das erste Mal auf den Stundenplan guckten und „ Professional Skills“ lasen, konnten wir uns nicht wirklich was darunter vorstellen und dachten eher an Tipps und Tricks im Labor. Doch hinter diesem geheimnisvollen Fach verbirgt sich etwas ganz anderes und so ist es eher mit einer Mischung aus EDV, Kommunikationspsychologie und Gesetzeskunde vergleichbar. Hier lernen die Studenten nicht nur etwas über die Geschichte ihres Berufes, sondern auch über Zukunftswege und Qualitätsmanagement im Labor. Abgerundet wird das Ganze noch mit Themen wie richtige Kommunikation auf Arbeit oder die korrekte Verwendung von PowerPoint bzw. Medien wie das Internet oder die Bibliothek. Klingt trocken, ist es auch. Alles in allem wohl die unspektakulärste Veranstaltung überhaupt, aber dennoch sinnvoll. Denn das sind Themen, die zwar jeder wohl zu kennen meint und für selbstverständlich hält, dass sie auch beherrscht werden sollten, aber bei genauerer Betrachtung sind es halt die Feinheiten, die später im Berufsleben über Erfolg oder Misserfolg entscheiden; die dann doch mal eben einfach vergessen werden. So bleibt nur allen Studenten Mut zu machen, nicht an diesem Fach zu verzweifeln, denn es hat ja auch was für sich noch den ein oder anderen Tipp zu bekommen, bevor es in die eisige und harte Arbeitswelt geht.

Viele Grüße nach Plauen und bis bald!

 

Fazit:

 

Wir hoffen, dass sich die positiven Eindrücke durchweg durch unsere Berichte wie ein roter Faden gezogen haben und als solche auch wahrgenommen wurden. Wir haben uns stets begeistert von den Eindrücken gezeigt und es gab keine negativen Zwischenfälle, die unsere Begeisterung in irgendeiner Form getrübt hätten. Dieser Auslandsaufenthalt war nicht nur eine sprachliche und fachliche Bereicherung, sondern auch eine für unsere kulturelle und persönliche Entwicklung. Wir möchten allen nachfolgenden Klassen die Möglichkeit dieser Erfahrung nicht nur empfehlen, sondern sogar wärmstens ans Herz legen. An dieser Stelle möchten wir uns auch ganz herzlich bei der Schulleitung bedanken, die uns diesen Aufenthalt ermöglicht hat, insbesondere bei Frau Scharnagl die sich für uns durch all die erforderlichen Anträge und Formulare kämpfen musste. Wir möchten uns zudem auch bei allen Personen am IWB und DIT bedanken, die für den reibungslosen Ablauf dieses Auslandspraktikums gesorgt haben. Wir hoffen, dass wir mit dem Webtagebuch einen kleinen Einblick geben konnten und bieten uns allen Interessierten gerne als Ansprechpartner für eventuelle Fragen an. Als letztes möchten wir ebenso den Lesern danken, die unser Webtagebuch regelmäßig verfolgt haben. Mit den uns gewährten Administrationsrechten hatten wir natürlich auch Einsicht auf die Anzahl der zahlreichen Zugriffe auf unsere Artikel. So hoffen wir, dass diese in etwa der Anzahl an Lesern entspricht, wenn nicht, möchten wir uns bei den 1 oder 2 uns wohlgesonnenen Lesern bedanken, die unsere Seite 50x mal pro Tag aufgerufen haben!:-)

 

Ein letzter Gruß aus Irland und auf ein baldiges Wiedersehen in Plauen!

Ulrich und Stephan

 

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